Frau mit Laptop auf dem Sofa.

Quiet Quitting – Mehr als ein Trendwort?!

Warum immer mehr Mitarbeitende nur noch für Dienst nach Vorschrift bereit sind.
Wandelnde Arbeitsbedingungen, Corona-Pandemie und neue Arbeitsgenerationen – die Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel. Neue Trends wie Quiet Quitting erobern die Einstellungen der Arbeitnehmenden. Menschen definieren sich heutzutage nicht mehr so stark wie vor zehn Jahren durch ihre Produktivität und dem Status am Arbeitsplatz. Das bringt neue Herausforderungen für Unternehmen.

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„Kein Problem, ich bleibe heute einfach ein bisschen länger!“ „Ich antworte dir auch am Wochenende auf deine Mails!“ „Den Anruf werde ich nach Feierabend noch tätigen!“ – Überstunden, Mails und Telefonate nach Feierabend sowie die Übernahme zusätzlicher Aufgaben sehen viele Arbeitgeber, aber auch Arbeitnehmende im Alltag als selbstverständlich an. Doch für 34% der deutschen Arbeitnehmenden kommt laut einer Umfrage von RingCentral das nicht in Frage – sie tun im Moment nur das Notwendige für ihren Job. Das Phänomen des „Quiet Quitting“ verzeichnet eine steigende Präsenz in den sozialen Medien und ist vor allem bei jüngeren Altersgruppen verbreitet. Was versteht sich darunter und warum bringt dieser Trend neue Herausforderungen für Arbeitgeber mit sich?

Ein Pferd springt bekanntlich nicht höher als es muss

 

Quiet Quitting lässt sich im Deutschen als „stilles Kündigen“ übersetzen. Jedoch geht es bei diesem Trend nicht darum, den eigenen Job zu kündigen, sondern nicht mehr zu tun als das, wofür man bezahlt wird. Somit beschreibt Quiet Quitting eine Arbeitseinstellung, bei der unbezahlte Überstunden und zusätzliche Aufgaben abgelehnt und ausschließlich vereinbarte Leistungen des Arbeitsvertrages erfüllt werden. Mitarbeitende sind nicht bereit über das Notwendige, beispielsweise durch freiwillige Mitarbeit an Projekten, hinauszugehen. Es wird eine klare Grenze zwischen Berufs- und Privatleben gezogen. Dadurch erhoffen sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbies sowie eine bessere körperliche und psychische Gesundheit. Weitere Gründe stellen geänderte Wertvorstellungen, Überforderung und eine Entfremdung vom Unternehmen und dem Kollegium dar.

Aber Vorsicht, Verwechslungsgefahr!  Quiet Quitting ist von der inneren Kündigung abzugrenzen, denn dahinter verbirgt sich eine solche Unzufriedenheit und Demotivation der Mitarbeitenden, dass diese nur noch eine geringere Arbeitsleistung als vertraglich vereinbart erbringen. Quiet Quitter hingegen zeigen sich innerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit weiterhin als motiviert.

 

Konsequenzen für den Arbeitgeber

 

Sicherlich ist es nicht verkehrt, einen vermehrten Wert auf die eigene Gesundheit zu legen und die Work-Life-Balance zu fördern, um so Gefahren wie Burnouts zu umgehen. Jedoch bringt Quiet Quitting eine nicht zu vernachlässigende Zahl an Herausforderungen für Arbeitgeber mit sich, denn dieses Phänomen ist Resultat grundlegender Missstände in Unternehmen. So kann beispielsweise durch entstehende Konflikte die Zusammenarbeit in Teams erschwert werden und in einer unausgewogene Arbeitsbelastung resultieren, bei der andere möglicherweise die nicht erledigte Arbeit übernehmen müssen. In Zeiten des Personalmangels kann das hohe Auswirkungen auf den Erfolg von Unternehmen haben. Gleichzeitig verzeichnen Unternehmen einen erheblichen finanziellen Verlust als Konsequenz des Quiet Quitting. Allein in den USA kostet dieses Phänomen jährlich bis zu 500 Milliarden Dollar. Auch kennzeichnet sich Quiet Quitting durch eine gewisse Ansteckungsgefahr: Wer täglich die Kollegen und Kolleginnen pünktlich Feierabend machen sieht, wird sich früher oder später selbst die Frage stellen, warum man selbst so viel Zeit und Energie in die Arbeit steckt. Aus diesem Grund sollten Unternehmen durch die Umsetzung passender Lösungsstrategien diesem Trend vorbeugen.

 

Lösungsstrategien

 

Im ersten Schritt ist es bedeutend, zu erfassen, welches Engagement von der eigenen Belegschaft gezeigt wird und was sie antreibt. Es ist wichtig zu verstehen, was die Ursachen für Motivationslosigkeit oder überdurchschnittlichem Engagement sind. Dafür können Umfragen oder Interviews mit Mitarbeitenden durchgeführt werden. Wie eingangs erwähnt, ist für Quiet Quitter die Schaffung einer besseren Work-Life-Balance und die Förderung der eigenen Gesundheit meistens ausschlaggebend für das gezeigte Verhalten. Arbeitgeber sollten diese Aspekte am Arbeitsplatz unterstützen, um Wertschätzung zu zeigen – und dadurch die Motivation und das Engagement der Belegschaft zu steigern. Wie geht das am besten?

  • Unternehmenskultur: Es kann bereits ausreichen, Mitarbeitende in Gespräche einzubinden und Feedback von ihnen einzuholen, um zu zeigen, dass sie wichtig für das Unternehmen sind und ihre Meinung zählt. Auch die Übernahme von Eigenverantwortung stärkt die Arbeitsmotivation, genauso wie den Sinn der Arbeit durch die Führungskraft aufzuzeigen. Programme wie Mentoring oder Patensysteme bieten die Möglichkeit, potentielle Quiet Quitter wieder verstärkt in das Unternehmensnetzwerk einzubinden. Teamevents und Firmenfeiern sorgen für mehr Zusammenhalt innerhalb des Teams und auch für eine bessere Bindung und Identifikation mit dem Unternehmen.

 

  • Arbeitsbedingungen: Angebote wie Home Office und Gleitzeit bieten der Belegschaft mehr Flexibilität und ermöglichen es, eigene Entscheidungen bezüglich der Gestaltung des Arbeitsumfeldes zu treffen.

 

  • Coaching und Entwicklung: Durch das Aufzeigen möglicher Karrierewege und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens, erhalten Arbeitnehmende ein Ziel, auf welches sie gerne hinarbeiten und welches dementsprechend zu mehr Motivation und Engagement führt.

 

  • Work-Life-Balance: Arbeitgeber sollten aktiv dafür sorgen, dass Überstunden nicht als selbstverständlich angesehen und nicht zur Gewohnheit werden. Dazu können unternehmensweite Standards geschaffen werden, die weg von einer ständigen Erreichbarkeit hin zu klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit gehen. Dazu gehört auch der Verzicht auf das Senden von Nachrichten nach dem Feierabend oder am Wochenende.

 

  • Gesundheitsförderung: Gesundheit ist das A und O für den Arbeitgeber, denn nur eine gesunde Belegschaft ist leistungsfähig. Möglichkeiten zur Förderung der mentalen Gesundheit stellen Maßnahmen zur Stressreduktion dar. Anderseits bieten Vorsorgegutscheine, Gesundheits-Checkups, die Bereitstellung von gesunden Mahlzeiten in der Betriebskantine, die Einrichtung eines ergonomischen Arbeitsplatzes oder das Angebot von Sportprogrammen vielfältige Optionen, die Gesundheit der Belegschaft in den Mittelpunkt zu stellen.

Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, was die eigene Gesundheit angeht. Um der ganzen Belegschaft gerecht zu werden, bietet ein durchdachtes betriebliches Gesundheitsmanagement zahlreiche Möglichkeiten.

Julia Bernath

befasst sich gerne mit dem Thema Employer Branding. Wenn sie sich gerade nicht mit den Themen betrieblicher Krankenversicherung beschäftigt, spielt sie Volleyball oder verbringt Zeit in der Natur.

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