Mitarbeiterbindung – Wie Sie Retention Management für Ihr Unternehmen nutzen können

Neue Mitarbeiter zu finden ist ein kostspieliger Prozess.  beziffern die Kosten auf etwa 30% des Jahresgehalts der zu besetzenden Stelle. Und wenn Sie für das Recruiting die Dienste einer Personalagentur in Anspruch nehmen, wird es sogar noch teurer. In Anbetracht dieser Tatsache ist es eine gute Idee, mehr Ressourcen in die Mitarbeiterbindung zu investieren. Denn je zufriedener Ihre Angestellten sind, desto geringer fällt die Fluktuation aus und Sie können beim Recruiting leicht hohe fünfstellige Beträge einsparen.

Neben den Kosten gibt es noch weitere gute Gründe, das sogenannte Retention Management (Retention: englisch für „Beibehaltung“) zu stärken: Zum einen gibt es heute schon in vielen Bereichen zu wenig Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, zum anderen dürfte sich dieser Trend aufgrund des demographischen Wandels zukünftig noch verstärken. In diesem Beitrag erfahren Sie daher, wie Mitarbeiterbindung funktioniert und mit welchen Maßnahmen Sie Ihr Retention Management stärken, indem folgende Themen behandelt werden:

  1. Was ist Mitarbeiterbindung?
  2. Ziele, Vorteile und Herausforderungen von Mitarbeiterbindung
  3. Die 6 Säulen der Mitarbeiterbindung
  4. Konzepte zur Umsetzung von Mitarbeiterbindung

Was ist Mitarbeiterbindung?

Mitarbeiterbindung ist in erster Linie ein Instrument der Personalpolitik eines Unternehmens. Dabei geht es darum – wie es der Name ja schon sagt – einmal eingestellte Mitarbeiter so lange wie möglich im Unternehmen zu halten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Jede Neueinstellung verursacht Kosten. Zudem ist ein eingespieltes, erfahrenes Team produktiver als eines, in das ständig neue Mitglieder integriert werden müssen. Für die Mitarbeiter ist das Engagement ihres Arbeitgebers in diesem Bereich eine besondere Form der Wertschätzung. Wie wichtig die Mitarbeiterbindung ist, zeigt auch der jährliche Engagement Index des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup. Durch Befragungen wird ermittelt, wie hoch die Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen ist und die Ergebnisse werden in einer Studie veröffentlicht.

Aktuell haben in Deutschland 17% der Befragten eine hohe emotionale Bindung zu Ihrem Unternehmen und 68% eine geringe emotionale Bindung. Gar keine Bindung empfinden 15%. Spannend wird es, wenn man sich die Fehlzeiten der einzelnen Gruppen anschaut: Während diese bei den Mitarbeitern mit einer hohen emotionalen Bindung bei durchschnittlich 5,2 Tagen lagen, betrug sie bei denen ohne Bindung 7,1 Tage – also fast 2 Tage mehr! Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig das Retention Management ist. Hier werden alle Maßnahmen gebündelt, die die Erhöhung der Mitarbeiterbindung zum Ziel haben. Dazu gehört auch das Employer Branding. Denn Unternehmen, die sich als attraktive Arbeitgebermarke positionieren, verfügen auch über eine höhere Mitarbeiterbindung.

Die verschiedenen Arten der Mitarbeiterbindung

Für ein erfolgreiches Rentention Management ist es unerlässlich, die vier verschiedenen Arten der Mitarbeiterbindung zu kennen. Denn nur so können Maßnahmen gezielt auf diese unterschiedlichen Formen ausgerichtet werden und sind so effektiver.

Normative Mitarbeiterbindung: Hier geht es primär um das Gefühl, sich der Firma gegenüber verpflichtet zu füllen, wenn diese zum Beispiel in die Weiterbildung der Angestellten investiert.

Affektive Mitarbeiterbindung: Diese liegt vor, wenn die Werte des Unternehmens – zum Beispiel Schutz der Umwelt oder Gleichberechtigung – mit den eigenen übereinstimmen.

Kalkulatorische Mitarbeiterbindung: Der Name impliziert es bereits: Hier wird ganz emotionslos der Aufwand, den es benötigt, bei einem anderen Arbeitgeber anzuheuern, gegen den daraus resultierenden Nutzen kalkuliert.

Behavoriale Mitarbeiterbindung: Auch bekannt unter dem Namen habituelle Bindung; der Mitarbeiter hat sich an Kollegen, Arbeitszeiten oder den Weg zur Arbeit gewöhnt und möchte an dieser gewohnten Umgebung festhalten.

Ziele, Vorteile und Herausforderungen der Mitarbeiterbindung

Das Ziel der Mitarbeiterbindung ist es in erster Linie, die Fluktuation der Belegschaft so gering wie möglich zu halten. Denn ständige Kündigungen und die Suche nach neuen Mitarbeitern, um die dadurch entstandenen Lücken zu füllen, bringen Unruhe ins Unternehmen und kosten vor allem sehr viel Geld. Darüber hinaus ist es das Ziel der Mitarbeiterbindung, die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Und letztlich geht es natürlich darum, mithilfe von engagierten Mitarbeitenden, die sich wohl fühlen, den Unternehmenserfolg zu steigern. Denn zufriedene Mitarbeiter sind motivierter, leisten mehr und fallen seltener aus. Daraus ergeben sich dann beinahe zwangsläufig weitere Vorteile, zum Beispiel eine Verbesserung des Betriebsklimas und die Stärkung des Employer Brandings.

Jedoch – das soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – muss das Retention Management auf dem Weg zur Erhöhung der Mitarbeiterbindung einige Herausforderungen meistern. So ist es in Zeiten von Home-Office und Telearbeit nicht immer leicht, Teambuilding-Events zur Stärkung der Mitarbeiterbindung – zum Beispiel ein regelmäßiges gemeinsames Frühstück – durchzuführen. Zudem muss beachtet werden, dass nicht alle Mitarbeitenden die gleichen Interessen und Bedürfnisse haben und daher unterschiedlich auf Maßnahmen des Retention Managements reagieren.

Die 6 Säulen der Mitarbeiterbindung: Maßnahmen und Instrumente für Ihre Strategie

Erfolgreiche Mitarbeiterbindung ruht auf 6 Säulen, die wir Ihnen im Folgenden mit anschaulichen Beispielen vorstellen wollen:

Arbeitsumfeld & Organisation: Hier geht es darum, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich die Mitarbeitenden wohlfühlen. Die Auswahl geeigneter Maßnahmen ist groß: Flexible Arbeitszeiten, individuell eingerichtete Büros, kostenlose Parkplätze, eine Kantine, kostenlose Getränke und vieles mehr.

Gesundheit, Sport & Freizeit: Wenn Sie als Arbeitgeber hier tätig werden, dann stärken Sie nicht nur die Mitarbeiterbindung, sondern sorgen zusätzlich dafür, dass Ihre Belegschaft fitter, gesünder und leistungsfähiger ist – zwei Fliegen mit einer Klappe. Als Maßnahmen empfehlen sich hier Ernährungsberatung, kostenloses frisches Obst, firmeneigenes Fitness-Studio oder eine betriebliche Krankenversicherung (bKV).

Personalentwicklung: Wenn Sie in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter investieren, zeigen Sie ihnen, dass sie wichtig für das Unternehmen sind. In diesen Bereich gehören Schulungen, Weiterbildung, Erwerb von Zusatzqualifikationen, Förderung eines Abend- oder Wochenendstudiums oder Mentoring durch erfahrene Kollegen.

Arbeitgebermarketing & Employer Branding: Für ein Unternehmen zu arbeiten, das in der öffentlichen Wahrnehmung einen guten Ruf hat, ist für viele Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium. Nutzen Sie hier Arbeitgeberbewertungsportale oder loben Sie Prämien aus für Angestellte, die neue Mitarbeiter werben.

Unternehmenskultur & Kommunikation: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von Unternehmen sind nicht nur für die Außendarstellung wichtig, sondern tragen auch dazu bei, dass Menschen gerne bei ihnen arbeiten. Genauso wichtig sind aber auch die interne Kommunikation und die Transparenz der Entscheidungen.

Vergünstigungen & Vorteile: Hier geht es um zusätzliche Formen der Vergütung. Diese kann durch Gutscheinkarten, Essenszulagen, Fahrtkostenzuschüsse, Rabatte auf die eigenen Produkte oder leistungsbezogene Prämien erfolgen.

Sie sehen: Es gibt materielle Maßnahmen, die eine Investition erfordern, und immaterielle Maßnahmen, bei denen es in erster Linie um eine Verhaltensänderung geht. Beide Arten haben ihre Berechtigung, und auch, wenn es verführerisch erscheint, sich auf die kostenlosen Maßnahmen zu beschränken: Ganz ohne den Einsatz von Ressourcen ist eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung nicht zu machen.

Konzepte zur Umsetzung von Mitarbeiterbindung

Entscheidend für den Erfolg des Retention Managements ist ein durchdachtes Konzept. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Unternehmensführung. Die praktische Umsetzung der Maßnahmen sollte aber durch die HR-Abteilung erfolgen. Bei der Ausarbeitung des Konzepts sollten Sie darauf achten, dass die Maßnahmen konform zu den etablierten Unternehmenswerten sind. Auch sollten Sie sich von Anfang an Gedanken über die Wirkungsdauer machen, denn natürlich verpuffen einmalige Effekte schnell, wenn sie nicht regelmäßig wiederholt werden. Eine gute Idee ist es sicher auch, die Belegschaft konkret zu fragen, welche Veränderungen sie sich wünscht, um sich im Unternehmen und am Arbeitsplatz wohlzufühlen.

Bei der Strategie müssen Sie auch festlegen, ob Sie die Mitarbeiterbindung insgesamt oder nur selektiv, also für bestimmte Mitarbeitende, erhöhen wollen. Ersteres nennt man auch Gießkannenprinzip, für letzteres hat sich das Akronym SELIMAB (selektive individualisierte Mitarbeiterbindung) etabliert. Anhand verschiedener Kriterien (Potenzial, Leistung, Ersetzbarkeit) wird der Wert eines Mitarbeiters für das Unternehmen ermittelt und die Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung werden nur auf die Angestellten mit hoher Punktzahl angewendet. Viele Unternehmen nutzen auch das sogenannte Cafeteria-System zur individuellen Vergütung als Teil des Retention Managements. Bei diesem Modell erhält jeder Mitarbeiter eine gewisse Anzahl an Punkten, die er gegen individuelle Zusatzleistungen – Sonderurlaub, persönliche Weiterbildung, besondere Arbeitsausstattung und ähnliches – eintauschen kann.

Die Umsetzung der Mitarbeiterbindung im Unternehmen

Bevor Sie mit den Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung beginnen, sollten Sie zunächst – ähnlich wie bei der Gallup Studie – den Status Quo ermitteln und rausfinden, wie eng die Bindung Ihrer Belegschaft an das Unternehmen ist. Dazu eignen sich besonders gut anonyme Mitarbeiterbefragungen, um wichtige Kennzahlen zu ermitteln, entweder mit einem Fragebogen in Papierform oder einem Online-Fragenkatalog. Idealerweise nutzen Sie dazu die Hilfe eines darauf spezialisierten Unternehmens. So können Sie sicher sein, dass die richtigen Fragen gestellt werden, und Sie erhalten in der Regel ehrlichere Antworten, als wenn Sie die Befragung unternehmensintern durchführen. Die Befragung sollte dann nach Implementierung der Maßnahmen wiederholt werden, damit Sie messen können, ob sie zum gewünschten Erfolg geführt haben.

Zum Schluss noch ein ganz wichtiger Hinweis: Auch wenn die Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung in erster Linie den bereits im Unternehmen Angestellten zugutekommen, so können sie bereits im Bewerbungsprozess ein extrem wertvolles Asset sein. Denn schon in der Stellenanzeige und auch später im Bewerbungsgespräch und im Onboarding können Sie all die daraus resultieren Vorteile in die Waagschale werfen und so junge Talente überzeugen, sich Ihrem Unternehmen anzuschließen.