In dieser Folge unserer Podcast-Reihe „FEEL THE BENEFITS“ sprechen wir mit Ingo Froböse über die Themen Gesundheit und Prävention und wie entsprechende Maßnahmen in den Berufsalltag eingebaut werden können. Neben hilfreichen Tipps, die jeder einzelne direkt umsetzen kann, liefert er auch interessante Ansätze, die Unternehmen nutzen können, um die Gesundheit ihrer Belegschaft aufrechtzuerhalten und zu stärken. Die Leidenschaft, mit der unser Gast über die Themen spricht, ist so ansteckend, dass man als Zuhörer im Anschluss an die Episode direkt aktiv werden möchte.

Prof. Dr. Ingo Froböse

  • Universitätsprofessor für Bewegungsorientierte Präventions- und Rehabilitationswissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln
  • Hat früh erkannt, dass man mit Maßnahmen, die den Menschen helfen würden, zu spät ansetzt. So kam er zur Prävention
  • Deutschlandweit als Experte für Prävention, Gesundheit und Sport anerkannt
  • Autor zahlreicher Bücher, zum Beispiel: Die Formel Froböse – Der Wegweiser für ein vitales und gesundes Leben

Das Gespräch im Wortlaut:

Sascha Marquardt:  Heute dreht sich alles um das Thema Prävention. Wir begrüßen Prof. Dr. Ingo Froböse, Sport- und Ernährungswissenschaftler, Bundestagberater, Autor sowie Leiter des Institutes für Bewegungstherapie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Herzlich willkommen und schön, dass du heute bei uns bist.

Ingo FroböseDanke. Ich freue mich sehr über die Einladung und auf eure Fragen.

Aline Aha: Du hilfst Menschen mit großer Begeisterung, ihre Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten. Wie kam es dazu, dass Prävention zu deinem Herzensthema wurde?

Ingo Froböse:  Ursprünglich komme ich aus dem Spitzensport und kenne damit auch leider die dunklen Seiten mit vielen Verletzungen, Beschwerden, Niederlagen, Kampf und harter Disziplin. Aber natürlich auch Siege, Reisen und Erfolge. Ich wollte schon immer an die Deutsche Sporthochschule Köln, sie ist ja eine der besten in Sportwissenschaften, und ich hatte mich für den damals neu eingeführten Studiengang Rehabilitation und Behindertensport eingeschrieben. Dort wurde ein wenig die therapeutische Seite von körperlicher Aktivität und Bewegung wissenschaftlich dargestellt, erforscht und gelehrt. Während meines Studiums und meiner Diplomarbeit über neurologische Erkrankungen erschien mir das Thema Prävention aus der Therapie heraus immer wichtiger. Seitdem lehre und forsche ich als einer der ersten in Deutschland in dem Bereich Prävention mit dem Ziel, Erkrankungen vorzubeugen bevor sie problematisch werden.

Aline Aha: Total spannend – was ist deiner Meinung nach der richtige Weg, um ein gesundes und glückliches Leben zu führen? In unserer Gesellschaft werden wir ständig mit Informationen überflutet. Wie soll man da noch zwischen gut und schlecht unterscheiden?

Ingo Froböse:  Mir macht das auch große Sorge, dass wir die Gesundheit kommerzialisieren und ökonomisieren und dabei so tun, als könnte man Gesundheit kaufen. Die entscheidende Botschaft ist: Gesundheit kann man nicht kaufen, die muss man machen. Jeder von uns ist selbst im Eigeninteresse dafür verantwortlich. Es hat niemand Interesse daran, dass wir gesund bleiben, außer wir selbst. Keine Pille, keine Matratze, kein Bürostuhl wird dir langfristig helfen, dass du gesund bleibst. Es ist immer derjenige, der oben auf dem Stuhl sitzt, auf der Matratze liegt oder das Medikament einnimmt. Genauso sollten wir den Blick auch auf die Prävention werfen. Das bedeutet wir haben letztendlich drei Bausteine. Wir haben das Thema Bewegung. Gerade jetzt, wenn ein neues Jahr beginnt. Das zweite ist das große Thema der Ernährung und dazu gehört natürlich auch der Suchtmittelkonsum. Und das dritte Thema ist Regeneration. All das sind große Bausteine, welche der Erhaltung der Lebensqualität dienen. Gesundheit ist eben nicht nur Abwesenheit von Krankheit, sondern hat viel mit der Herstellung von Lebensqualität zu tun. Dafür dient die Prävention, für die jeder etwas tun kann. Zusammengefasst habe ich diese in der Formel Froböse.

Sascha Marquardt: Es steht im eigenen Interesse eines Unternehmens, gesunde und leistungsbereite Mitarbeiter zu beschäftigen. Kann deine Formel Froböse auch auf das betriebliche Umfeld übertragen werden?

Ingo Froböse:  Also da muss ich dir hundertprozentig recht geben. Eine kleine Anleihe aus dem Spitzensport: Fußballprofis müssen jeden Samstag um 15.30 Uhr zu hundert Prozent fit sein. Bei der englischen Woche auch wieder mittwochs. Der Arbeitgeber investiert sehr viel Geld und Zeit in die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Spieler, besonders mit Hilfe von Prävention durch Training und Vorbereitung. Und das ist eben nur der Mikrokosmos Fußball. Letztendlich ist der Beruf heutzutage auch Spitzensport geworden. Nichts anderes ist es doch. Damit sehe ich jeden Arbeitgeber in der Pflicht, die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Mitarbeitenden zu fördern und zu erhalten. Wenn ich heute viele Menschen fragen würde, wie lange schaffst du noch den Job, den du heute machst? Drei oder fünf Jahre? Dann ist es sehr kritisch und sorgenvoll zu betrachten, dass viele Menschen sagen würden, sie halten nicht mehr lange durch. Das muss ein Signal für den Arbeitgeber sein, etwas zu verändern. Das machen bereits viele große Unternehmen. Prävention geht meines Erachtens weit über Arbeitsschutz und medizinische Betreuung hinaus. Sie ist viel umfassender, näher an den Menschen und mit mehr Lebensqualität gefüllt. Deshalb wünsche ich mir, dass gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen sich diesem Thema mehr zuwenden, denn sie haben die Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeitenden. Bitte investiert insbesondere in die Gesundheit und Lebensqualität dieser. Die Leistung folgt dann automatisch.

Sascha Marquardt: Grundsätzlich verbringt man mehr Zeit auf der Arbeit als daheim. Wie kann man dort die Themen Bewegung, Ernährung und Prävention einfach in den Arbeitsalltag integrieren?

Ingo Froböse: Das erste ist natürlich, Bewegungspausen in den Alltag einzupflegen. Gerade bei zunehmend sitzenden Tätigkeiten ist Ausgleich durch körperliche Aktivität relevant. Ich brauche gewisse Formen der körperlichen Aktivität, die einen Ausgleich bieten zu anderen Aktivitäten. Das darf man niemals unterschätzen. Ich würde mir ein stündliches Unterbrechen der Arbeitszeit bei sitzenden Berufen wünschen, so wie es in der Schule und in der Universität auch stattfindet. Warum denn nur dort? Warum denn nur in der Ausbildung? Und dann bricht es plötzlich weg. Wir brauchen Bewegungspausen, um dem Körper gerecht zu werden, den Stoffwechsel zu aktivieren, um Leistungsfähigkeit, gerade Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Lernprozesse zu fördern. Das wird durch körperliche Aktivität stimuliert und darf man als Arbeitgeber nicht den Arbeitnehmenden überlassen. Für die aktive Stimulierung gibt es Apps oder man trifft sich in bestimmten Räumlichkeiten zu bestimmten Zeiten. Ich würde mir wünschen, dass auch die körperliche Aktivität auf dem Arbeitsweg gesteigert wird. Zum Beispiel durch das Angebot eines Business Rades oder Fitness Parkplätze, die ganz weit weg sind und diejenigen belobigen, die ganz weit weg geparkt haben, damit sie zu Fuß zum Unternehmen kommen und dort schon einige Schritte gesammelt haben. Und wir wissen, je höher die Position, umso näher der Parkplatz an der Tür. Auch da sollten Chefs mit einem besseren Beispiel vorangehen. Machen wir doch bitte auch das Treppenhaus endlich wieder attraktiver. Vielleicht wäre es eine Idee, eine Treppen-Community in den Unternehmen einzuführen und all jene mit einem zusätzlichen Bonus-Urlaubstag zu belobigen, die am meisten Treppen im Jahr gegangen sind und das als Challenge zu pflegen. Das Treppenhaus ist immer noch die beste Trainingsstätte. In der Kantine wünsche ich mir nicht die drei üblichen Essen Currywurst, Spaghetti Bolognese und Seelachs, sondern gesunde und vernünftige Angebote mit Informationen an die Mitarbeitenden, warum es sich lohnt darauf zurück zu greifen. Nur einfach eine Auswahl ohne Information greift meistens zu kurz und wir wissen ja, dann laufen Menschen doch am gesunden Essen vorbei, weil sie das andere attraktiver finden. Aber Attraktivität ist letztendlich eine Frage der Präsentation und der Information. Arbeitskräfte im Außendienst kann ich nicht einfach an Frittenbuden entlassen. Auch hier muss ich mir als Arbeitgeber überlegen, welche Maßnahmen ich ergreifen kann. Welche Kooperationen schließe ich draußen auf der Strecke mit Unternehmen, wo sie vernünftig versorgt werde? Oder gebe ich ihnen vielleicht irgendwelche Tüten mit, die gefüllt sind mit vernünftigen Lebensmitteln, die dann die Menschen wirklich in die Lage versetzen, auch am Nachmittag noch eine gute Leistung zu erbringen. Und bitte Pausen und Kultur in den Unternehmen wieder einpflegen. Pausen heißt, ein klarer Feierabend. Der wurde früher gefeiert, den sollte man wieder feiern und zelebrieren. Durch Pausen verliert man keine Arbeitsleistung, man verliert nur Arbeitszeit. Aber die Leistung wird durch die pausenbedingte Zunahme der Qualität deutlich besser.

Sascha Marquardt: Gehen wir doch einen Schritt weiter. Arbeitgeber sehen sich immer mehr in der sozialen Verantwortung, präventive Programme und Themen, wie eine betriebliche Krankenversicherung, ihrer Belegschaft anzubieten. Nimmst du solche Programme auch wahr?

Ingo Froböse: Ich glaube auch, dass Prävention einen deutlichen Unternehmensvorteil schafft. Das würde ich mir auch wünschen. Die Unterstützung, die Basis, die Grundlage muss vom Arbeitgeber geschaffen werden, sodass Prävention stattfinden kann. Arbeitnehmende bekommen dann einen Blumenstrauß und können aus einer Vielzahl unterschiedlichster Angebote wählen. Aber die Finanzierung darf nicht aus der Tasche der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen kommen. Vielleicht unterstützend einen kleinen Beitrag leisten. Aber grundsätzlich Grundlagen zu schaffen, Basis zu schaffen, die Tür für Prävention zu öffnen, halte ich im Sinne der Verpflichtung der Arbeitgeberschaft. Dieser generiert sich Wettbewerbsvorteile und sichert sich bei längerer Arbeitszeit dauerhafte Gesunderhaltung der Arbeitnehmenden. Da freue ich mich über viele engagierte Unternehmen und insbesondere Versicherungen mit individuellen Angeboten, die für das jeweilige Unternehmen sehr gut passen.

Aline Aha: Lass uns kurz noch einmal allgemein in die Thematik gehen. Durch die steigenden Corona-Infektionen bleiben wir vermehrt zu Hause und beschränken Kontakte, wodurch wir uns jedoch weniger bewegen. Bewegung ist wiederum wichtig für ein gut funktionierendes Immunsystem, das wir im Kampf gegen das Virus benötigen. Welche Sorgen hast du bezüglich diesem Paradoxon?

Ingo Froböse: Da hast du Recht. Wir vergessen ein bisschen die Prävention. Deswegen habe ich wirklich große Sorgen. Wir produzieren die Kranken der Zukunft, weil wir Prävention und auch die Behandlung anderer Probleme weit nach hinten geschoben haben. Das macht mich sehr sorgenvoll. Wir nehmen Kindern und Jugendlichen quasi das Entwicklungspotenzial und Auszubildenden die Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten und einen Lebensstil in einem Alter zu entwickeln, in dem durch Neuorientierung große Pfeiler im Berufsleben gesteckt werden. Gerade im Bereich der Arbeitnehmerschaft tauchen erste Krankheiten zwischen 30 und 50 Jahren viel zu früh auf. Wir haben Übergewicht, wir haben Diabetes schon zur einer Zeit, wo wir früher nie daran gedacht haben. Das liegt aktuell insbesondere an den beschränkten Ressourcen körperlicher Aktivität. Ab 50 Jahren produzieren wir die Pflegebedürftigen der Zukunft. Dann geht es los mit den großen Gebrechen. Das können wir nur präventiv frühzeitig angehen, sonst werden wir im Jahr 2030 etwa eine Verdopplung der Gesundheitsausgaben haben. Das ist für unser Sozialleistungsystem absolut nicht mehr zu tragen. Das sind meine großen Sorgen. Home Office dient aktuell wie ein Verstärker auf die gesamte negative Entwicklung. Wir lassen Menschen in ein Setting, auf das wir im Sinne der Prävention gar keinen Zugriff mehr haben, in dem wir nichts mehr kontrollieren können und gar keine Einflüsse mehr haben. Um so wichtiger ist es, ein völlig neues New Work System zu schaffen, das das Zusammenspiel von regulärem Arbeitsplatz, Home Office und allen gesundheitlichen Faktoren neu gestaltet. Ein Beispiel: Warum geht der normale Arbeitnehmende, welcher im Home Office ist, nicht so wie sonst auch morgens zur Arbeit? Morgens aus dem Hause gehen, eine halbe Stunde um den Block laufen und wieder zurück an seinen Arbeitsplatz kommen. Das ist doch alles möglich. Warum geht er nicht abends aus dem Haus, verlässt den Arbeitsplatz und kommt nach der halben Stunde wieder zurück und hat den Feierabend dann aktiv begonnen? Dafür brauchen Arbeitnehmende Anleitung. Diese Disziplin sollte von der Arbeitgeberschaft unterstützt werden, da man immer jemanden braucht, der einen die Hand nimmt, wenn es um das Thema Lebensqualität und Gesundheit geht, denn es gibt immer genügend andere Ablenkung.

Aline Aha: Zum Abschluss das Stichwort Disziplin: Kannst du uns ganz einfache und praktische Tipps mitgeben, wie wir das Thema Prävention in den Arbeitstag integrieren und unseren inneren Schweinehund besiegen können?

Ingo Froböse: Ich habe auch einen inneren Schweinehund, nur eben dressiert. Er hört auf das, was ich sage und nicht umgekehrt. Das ist die Grundfrage. Was lasse ich eigentlich zu? Aber ich lasse ihn auch ganz bewusst zu, am Sonntagnachmittag auf der Couch vielleicht, dann darf er mal daneben liegen und dann ist es auch gut. Aber ansonsten gibt es natürlich ein paar kleine Tipps: Der erste Tipp ist, sich darüber bewusst zu sein, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist. Das zweite ist, Prävention braucht Zeit und diese Zeit muss ich einplanen und sie gehört genauso in meinen Terminkalender wie alles andere. Das bedeutet eine klare Struktur für Prävention im Alltag. Es gibt kein Blatt Papier, was dazwischen geht. Das dritte ist die Suche nach Angeboten, die dir Freude und Spaß machen und die du barrierefrei machen kannst. Barrierefrei heißt, wenn du dir zum Beispiel vornimmst, 20 Minuten erst ins Schwimmbad zu fahren, weil du schwimmen so magst, geht das schief. Das machst du nicht lange. Besser sind barrierefreie Maßnahmen, die vielleicht auch vom Unternehmen angeboten werden, direkt vor Ort. Oder ich mache es so, dass ich meine eigene sportliche Aktivität zu Hause beginnen kann. Die nächste Botschaft: Erhöhe den sozialen Druck. Wie geht das? Rede darüber, was du tun möchtest und dann wirst du immer wieder gefragt wie es läuft. Entschuldigungen sind dann das Peinlichste, was man machen kann. Das macht man einmal, aber nicht zweimal. Viertens: körperliche Aktivität in Gruppen , sei sie nur so klein oder besteht auch nur aus zwei Personen, ist schon immer eine Verpflichtung gegenüber seiner eigenen Aktivität. Und der letzte Tipp ist:  Setze kleine Ziele, die du in 6 Wochen erreichen möchtest. Ich möchte drei Kilometer laufen. Ich möchte zweimal in der Woche etwas sportlich getan haben. Ich möchte 1,5 Kilometer laufen. Das sind Ziele, die kann man in sechs Wochen erreichen. Warum nach sechs Wochen? Danach kommt immer psychologisch ein Motivationsschub. Ich belohne mich, setze ein neues Ziel für die nächsten sechs Wochen und erreiche Step by Step ein aktives Leben.

Aline Aha: Lieber Ingo, vielen lieben Dank für diesen spannenden und informativen Austausch. Mit deinen hilfreichen Tipps können wir den inneren Schweinehund ein wenig leichter besiegen und bis ins hohe Alter fit bleiben. Wir wünschen dir alles Gute.

Ingo FroböseDankeschön. Bleibt fit und vor allem bleibt aktiv.

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